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Unternehmen sind in der Verantwortung, die deutsche Sprache zu fördern

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Kommentar zum aktuellen Leitantragsentwurf der CSU

Von Paul von Platen

Der Entwurf eines Leitantrags zum anstehenden Parteitag der CSU hat mit seinen Richtlinien für Integration prompt für Empörung und Spott gesorgt: In Deutschland lebende Ausländer seien dazu angehalten, sich öffentlich wie auch in den eigenen vier Wänden auf Deutsch zu unterhalten. Denn die Menschen kämen nach Bayern gerade wegen des dort geltenden Wertesystems, welches die Sprache umfasst.

Jetzt ist es einfach, im entfernten Niedersachsen diese Ideen als Bayerische Stammtischpolitik abzutun und auf sich beruhen zu lassen. Aber Moment: Es geht um Integration von Migranten – ein Thema das so ziemlich jede Kommune in Deutschland betrifft. Die überspitzten Forderungen der CSU sollten nun nicht dafür sorgen, dass Integration zum heißen Eisen wird, das man als Politiker erstmal umgehen möchte. Nein, jetzt geht es darum, den Kerngedanken, d. h. Integration durch die gelebte deutsche Sprache, sinnvoll weiterzuentwickeln.

 
Deutsch muss in der Familie vorgelebt werden
Menschen vorzuschreiben, wie sie sich privat unterhalten sollen, ist dabei natürlich der völlig falsche Weg. Das kommt nicht nur einer Abwertung anderer Kulturen gleich, sondern suggeriert auch eine Form von Autorität, die nicht mit einem rechtsstaatlichen Verständnis vereinbar ist. Dennoch bildet die deutsche Sprache die Grundlage, um ein Teil der Gemeinschaft zu werden – jeder, der in Deutschland lebt, sollte sie also beherrschen. Besonders Kinder aus Einwandererfamilien brauchen von Anfang an einwandfreie Deutschkenntnisse, um überhaupt in der Schule eine echte Chance zu haben. Argumentativ nähert man sich also doch den Forderungen der CSU an: Es ist wichtig, dass den Kindern in der Familie die Deutsche Sprache vorgelebt wird. Es schadet allerdings nicht, wenn Kinder zweisprachig aufwachsen. Ganz im Gegenteil! CDU-Generalsekretär Peter Tauber hat es treffend formuliert: »Mehrsprachigkeit ist wichtig in einer globalisierten Welt«.

Vielfältiges Angebot an Sprachkursen kann helfen
Wenn der Dreh- und Angelpunkt der Integration nach wie vor die Sprache ist, wäre ein größeres Angebot an Deutschkursen vielleicht eine Lösung. Zugegeben, wer sich in Deutschland anstrengt, kann auch als Migrant sehr viel erreichen – idealerweise hat jeder dieselben Chancen. Doch die Eigenschaft, Anstrengungen zu vermeiden, gehört ebenso zur Natur des Menschen: Wenn es also möglich ist, auch ohne Deutschkenntnisse dauerhaft in der Bundesrepublik zu leben und zu arbeiten, warum sollte man dann einen Deutschkurs besuchen (der möglicherweise bares Geld kostet)?

Arbeiten ist das Stichwort: Grundsätzlich erwartet man von einem deutschen Arbeitgeber, dass er Menschen beschäftigt, die dieser Sprache fähig sind. Doch was ist mit der Reinigungskraft, die nicht einmal imstande ist zu einer Begrüßung wie »guten Tag« – oder was ist mit dem Möbelpacker, der nur auswendig gelernte Phrasen wiedergeben kann? Beides sind Begebenheiten aus eigener Erfahrung, die eines verdeutlichen sollen: Die deutsche Sprache wird von diesen Unternehmen scheinbar als unwichtig empfunden. Frei nach dem Motto »Hauptsache, Du kannst arbeiten«. Besonders Menschen, die im Kundenkontakt stehen, fallen dadurch auf – teilweise negativ.

Deutsch muss als Standard gelten
Freilich gibt es genügend Unternehmen, die im weniger qualifizierten Sektor gezielt nach Arbeitskräften suchen, die unter anderem aufgrund mangelnder Sprachkenntnis so ziemlich jeden Job annehmen würden. Dagegen lässt sich in unserer Marktwirtschaft von politischer Seite nichts ausrichten, zumal es grundsätzlich gut ist, dass Migranten in Deutschland Jobchancen haben. Dennoch geht damit das Problem einher, dass die deutsche Sprache nicht für alle Bürger in Deutschland zum alltäglichen Standard wird.

Die Verantwortung liegt also zu einem Teil bei den Unternehmen, dass ihre Angestellten Deutsch als Standard begreifen. Als Maßnahme der Corporate Social Responsibility könnten zum Beispiel verpflichtende Sprachkurse für Mitarbeiter bzw. für Azubis angeboten werden, die nicht ausreichend in der Lage sind, sich auf Deutsch zu verständigen. Sicherlich wäre es repressiv, einem Unternehmen von Regierungsseite eine solche Maßnahme vorzuschreiben – ein Unternehmen, das allerdings einen wahren Beitrag zu einer besseren Gesellschaft leisten möchte, sollte genau dort beginnen!

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